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Kompetenzanforderungen an Systemiker

Der Systemische Beratungsansatz geht davon aus, dass Menschen und ihre Verhaltensweisen nicht isoliert betrachtet werden können, sondern im Kontext ihrer sozialen und interpersonellen Beziehungen stehen.

Ein Systemiker analysiert also die Dynamiken, die zwischen den verschiedenen Elementen eines Systems (wie z. B. einer Familie, einem Team, einer Organisation oder ein Netzwerk) wirken und interveniert, um dadurch positive Effekte für Veränderungen auf der Systemebene zu erzielen. Dabei wird oft versucht, Lösungen zu finden, anstatt sich zu sehr auf die Probleme selbst zu konzentrieren. Systemiker sehen das große Ganze und achten darauf, wie verschiedene Teile eines Systems zusammenwirken.

Die geforderten Kompetenzen werden in einer oder mehreren Systemischen Ausbildungen erlangt, die insgesamt mind. 1 Jahr umfassen müssen. Sie zeigen sich in vier Dimensionen, wir beziehen uns hier auf den Abschlussbericht des Forschungsprojekts der Deutschen Gesellschaft für Beratung (DGfB) (2024) zur Kompetenzorientierung in der Beratung in der Logik des DQR , die wir auf den Systemischen Beratungsansatz anpassen:

  1. Wissen,
  2. Fertigkeit,
  3. Sozialkompetenz
  4. Selbständigkeit / Eigenverantwortlichkeit

Hier können Sie die Kompetenzanforderungen an Systemiker zu Wissen, Fähigkeiten, Sozialkompetenzen und Selbständigkeit / Eigenverantortlichkeit als PDF zusammengefaast downloaden.

PDF Kompetenzanforderung Systemiker

Diese Kompetenzen zeigen sich im Kontext eines ethischen Beratungsverständnisses, zu dessen Einhaltung sich alle Systemiker verpflichten müssen, um eineSystert-Zertifizierung erhalten zu können.
Ethikrichtlinien (SystCert)

Kompetenzanforderungen an Systemiker

Systemiker und Systemikerinnen verfügen am Ende ihres Ausbildungsprozesses über folgendes grundlegendes WISSEN nach SystCert-Standard:

 

  1. Systemiker und Systemikerinnen können die wichtigsten rechtlichen Rahmenbedingungen für Beratungstätigkeiten (inkl. Schweigepflicht) benennen und verfügen über entsprechende Anwendungskompetenzen.
  2. Systemiker und Systemikerinnen können die Grundprinzipien der Systemdynamik beschreiben und deren Bedeutung für Beratungsprozesse bewerten.
  3. Systemiker und Systemikerinnen können die Grundlagen systemisch-konstruktivistischen Denkens benennen und deren Einfluss auf die Beratungspraxis reflektieren.
  4. Systemiker und Systemikerinnen verfügen über Wissen zu Theorien Individueller, familiärer und organisationaler Entwicklungsprozesse.
  5. Systemiker und Systemikerinnen verfügen über Wissen über systemische Zusammenhänge und Wechselwirkungen zwischen persönlicher, beruflicher und organisationaler Entwicklung.
  6. Systemiker und Systemikerinnen können Methoden für die Arbeit mit Gruppen beschreiben und ihre Anwendung in verschiedenen Beratungskontexten mit Auswirkung auf die Gruppendynamik evaluieren.
  7. Systemiker und Systemikerinnen können Grundkonzepte der Sozial- und Humanwissenschaften erläutern und deren Relevanz für Beratungsprozesse bewerten.
  8. Systemiker und Systemikerinnen kennen Konflikttheorien und deren Relevanz für ihre Anwendung in der Beratung.

Systemiker und Systemikerinnen verfügen am Ende ihres Ausbildungsprozesses über folgende grundlegende FÄHIGKEITEN nach SystCert-Standard:

 

  1. Systemiker und Systemikerinnen berücksichtigen den rechtlichen und situationsbezogenen Rahmen ihres Auftrags und klären Kontext, Rollen und Aufträge
  2. Systemiker und Systemikerinnen gestalten geeignete Settings unter Berücksichtigung der Dimensionen: Person - Rolle, Funktion, Aufgabe - Organisation – Kunde-Klientensystem.
  3. Systemiker und Systemikerinnen können Beratungsgespräche führen und zeigen die Fähigkeit zur Prozessplanung, Prozessgestaltung und Prozessauswertung.
  4. Systemiker und Systemikerinnen wenden eine systemische Gesprächsführung an und nutzen systemische Fragetechniken.
  5. Systemiker und Systemikerinnen berücksichtigen in der Gesprächsführung unterschiedliche Sichtweisen, akzeptieren diese und denken vorwiegend in ‚sowohl-als-auch‘ statt in ‚entweder-oder‘ Kategorien.
  6. Systemiker und Systemikerinnen bilden systemische Hypothesen über das Kunden-Klientensystem in welche sie sowohl die Lösungsstrategien des Systems als auch die eigenen Anregungen integrieren können.
  7. Systemiker und Systemikerinnen erkennen relevante Muster im Problemkontext und können auf diese System-Muster passend reagieren.
  8. Systemiker und Systemikerinnen erkennen Wechselwirkungen und Interaktionszirkel sowohl im Beratungs- als auch im Kunden-Klientensystem und können diese für das Kunden-Klientensystem angemessen transparent machen.
  9. Systemiker und Systemikerinnen fokussieren auf Ressourcen, setzen an den Stärken des Kunden-Klientensystems an und wissen diese in Beratungsprozessen zu nutzen.
  10. Systemiker und Systemikerinnen verfügen beim Planen und Durchführen von Interventionen über eine Bandbreite systemischer Interventionsmöglichkeiten, die der spezifischen Beratungssituation des Kunden-Klientensystem entsprechen.
  11. Systemiker und Systemikerinnen sind in der Lage, unterschiedliche systemische Interventionen differenziert auf die Anliegen und Befindlichkeiten des Kunden-Klientensystems anzuwenden und daraus eigene Beratungskonzepte zu entwickeln.
  12. Im Beratungsprozess antizipieren Systemiker und Systemikerinnen die möglichen Auswirkungen ihrer Interventionen und sind in der Lage Interventionen zieldienlich anzupassen.
  13. Systemiker und Systemikerinnen unterstützen das Kunden-Klientensystem in Krisensituationen dabei, dass es sich (auch emotional) stabilisiert, dass es gewohnte Bewältigungsstrategien reaktiviert und darüber hinaus neue ressourcenorientierte Lösungen findet.

Systemiker und Systemikerinnen verfügen am Ende ihres Ausbildungsprozesses über folgende grundlegende SOZIALKOMPETENZEN nach SystCert-Standard:

 

  1. Systemiker und Systemikerinnen achten die Würde und Perspektiven aller Beteiligten, handeln werteorientiert und fördern eine respekt- und vertrauensvolle Zusammenarbeit.
  2. Systemiker und Systemikerinnen berücksichtigen in ihrer Beratung komplexe organisatorische Strukturen des Kunden-Klientensystems und gestalten ihre Kommunikation entsprechend.
  3. Systemiker und Systemikerinnen nehmen Gefühle, Gedanken, Bedürfnisse und Interessen des Kunden-Klientensystems bewusst wahr und reagieren situationsangemessen.
  4. Systemiker und Systemikerinnen erfassen verbale wie nonverbale Rückmeldungen des Kunden-Klientensystems und beziehen sie gezielt in den Beratungsprozess ein.
  5. Systemiker und Systemikerinnen erkennen Konflikte frühzeitig und setzen geeignete Strategien ein, um lösungsorientierte Entwicklungen anzustoßen
  6. Systemiker und Systemikerinnen reflektieren biografische, kulturelle und soziale Hintergründe des Kunden-Klientensystems und berücksichtigen diese in ihrem Beratungsprozess.
  7. Systemiker und Systemikerinnen wahren ein angemessenes Maß an Nähe und Distanz, um professionelle Beziehungen herzustellen und aufrechtzuerhalten.
  8. Systemiker und Systemikerinnen  begegnen neuen Ideen, Perspektiven und Lebensrealitäten des Kunden-Klientensystems mit Offenheit und Neugier, um Vertrauen und Kreativität zu stärken. 

Systemiker und Systemikerinnen verfügen am Ende ihres Ausbildungsprozesses über folgende SELBSTÄNDIGKEIT / EIGENVERANTWORTLICHKEIT nach SystCert-Standard:

 

  1. Systemiker und Systemikerinnen verfügen über eine gefestigte professionelle Identität als Berater.
  2. Systemiker und Systemikerinnen setzen sich kritisch mit den allgemeinen Möglichkeiten und Grenzen professioneller Beratung auseinander.
  3. Systemiker und Systemikerinnen nutzen die Gestaltungsmöglichkeiten ihrer Rolle, erkennen ihre eigenen Grenzen sowie die Grenzen spezifischer Beratungskontexte.
  4. Systemiker und Systemikerinnen übernehmen Verantwortung für ihre Beratungsprozesse und treffen angemessene Entscheidungen für sich, das Kunden-Klientensystem und den Beratungsprozess.
  5. Systemiker und Systemikerinnen erweitern in der systemischen Beratungstätigkeit ihre eigene Perspektive und entwickeln sich fachlich und persönlich kontinuierlich weiter.
  6. Systemiker und Systemikerinnen nutzen Netzwerke, Supervision und kollegiale Beratung für sich, um eigene Handlungsweisen zu reflektieren, ihre fachliche und professionelle Weiterentwicklung zu fördern und die Qualität ihrer Beratungspraxis kontinuierlich zu verbessern.